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HAANE Mitarbeiter installieren Schweißtechnik auf hoher See!


15 Mitarbeiter der HAANE welding systems GmbH & Co. KG aus Borken-Weseke erfüllen
Großauftrag / Spektakuläres Helikopter-Training / Ende Januar Ankunft in Brasilien

Tausende Kilometer weit weg von zu Hause, irgendwo auf dem Atlantik zwischen Israel und Brasilien: Das Weihnachtsfest und den Jahreswechsel verbringen 15 Männer aus Borken und Umgebung in diesem Jahr auf hoher See. Marc Stemmermann ist einer von ihnen: "Ich war schon auf Montage in den USA, in der Türkei und in Indien, auf einem Schiff aber noch nie. Mich reizt diese neue Erfahrung - und ich bin natürlich gespannt, wie es ist, auf dem Wasser und bei Wellengang zu arbeiten." Die 15 Männer sind
Mitarbeiter der Weseker Firma HAANE welding systems GmbH & Co. KG sowie deren Zulieferer Lanfer Automation GmbH & Co. KG. Ihre Mission: Sie installieren auf der "Solitaire", einem 300 Meter langem Schiff, das Tiefwasser-Pipelines verlegt, neue Schweißanlagen. "Das ist ein Riesending für uns als Mittelständler mit unseren 36 Mitarbeitern", freut sich der HAANE-GeschaÅNftsführer Dr. Konstantin Büscher. In der Firmengeschichte ist dieser Auftrag mit einem Volumen von rund vier Millionen Euro bislang einzigartig; "annehmen konnten wir ihn nur, weil das gesamte Mitarbeiterteam und natürlich die Familien, die jetzt an Weihnachten auf ihre Ehemänner verzichten müssen, mitgezogen sind", zeigt sich Büscher ebenso dankbar wie anerkennend. Seit Mitte Dezember sind die 15 Männer an Bord der "Solitaire". Das Schiff gehört der niederländischen Firma Allseas, einem der Weltmarktführer bei der Installation von Pipelines auf dem offenen Meer bzw. bei Unterwasser-Konstruktionen. Pro Tag verlegt
die Solitaire bis zu neun Kilometer Rohre auf dem Meeresgrund. Um das Endlos-Rohr herzustellen, werden Einzelrohre von zwölf Metern Länge zugleich von innen und außen aneinandergeschweißt und am laufenden Band ins Meer abgelassen. "Pro Rohr darf das nicht länger als 20 Minuten dauern, weil sonst das Material ermüdet", erläutert Büscher, der im Maschinenbau promovierte. Also kommt es auf Schnelligkeit an, aber auch auf die Qualität - denn die Nähte müssen absolut dicht und haltbar sein, was
laufend mit Ultraschall- und Röntgengeräten geprüft wird. Was die Schweißanlagen der Borkener Firma HAANE welding systems GmbH & Co KG besonders auszeichnet, ist der zwölf Meter lange Ausleger, der vollautomatisch und mit 40 Metern pro Minute in die Rohre einfährt, die ihrerseits nur einen Durchmesser von 20 Zentimetern haben. "Das war eine ingenieurtechnische Herausforderung für uns, die wir nur durch unsere jahrzehntelange Erfahrung in Rohrwerken und in der Automobilindustrie meistern konnten", erläutert der Firmenchef. Noch bis Ende Januar wird die HAANE-Crew insgesamt acht Linien mit den Schweißautomaten ausstatten. "Wir installieren die Anlagen mechanisch und elektronisch, integrieren die Software in das Bordsystem, machen Probeläufe und schulen die Mannschaft unseres Auftraggebers, damit sie die Technik später selbst beherrscht", beschreibt Marc Stemmermann die Aufgaben der kommenden Wochen.
Trotz der großen Entfernung, der langen Zeit und dem anstehenden Weihnachtsfest macht sich Stemmermann über Trennungsschmerz nicht allzu viele Gedanken, "ich arbeite ja viel, da werde ich kaum Zeit für Heimweh haben." Froh ist er aber, dass er über Internet mit der Heimat verbunden ist, außerdem hat die HAANE-Firmenleitung eigens ein Satellitentelefon angeschafft, damit die Mitarbeiter mit ihren Familien kommunizieren können. Eine große Umstellung bedeutet für das Team aus Borken aber vor allem das Leben auf dem Schiff. "An das ständige Treppensteigen muss man sich erst gewöhnen", schmunzelt Stemmermann. Denn egal wohin man auf dem verwinkelten, beengten und unter Deck trotz Klimaanlagen teils stickigen Schiff wolle, müsse man Stockwerke überwinden. Auch wenn die "Solitaire" nicht die "Aida" sei, könne man seine freie Zeit komfortabel verbringen: Es gibt Mannschaftsräume mit Fernsehern und Computern, einen Sportraum und eine Sauna, außerdem werden rund um die Uhr warme Mahlzeiten für die 420 Mann Besatzung serviert.
Nicht nur das Leben auf dem Schiff bedeutet für die 15 Männer ein Abenteuer der ganz besonderen Art - "viele von uns waren noch nie im Ausland oder auf einem Schiff im Einsatz, geschweige denn, so lange von zu Hause weg", sagt Stemmermann. Schon die Vorbereitung auf den Einsatz war spektakulär: Alle Mitarbeiter mussten zum einen das "Medical Certificate for Service at Sea" erlangen, also ihre Seediensttauglichkeit theoretisch und medizinisch nachweisen, sowie ein "Basic Offshore Training" absolvieren. Bei dieser speziellen Sicherheitsschulung für den Offshore-Einsatz lernt man, wie man sich auf einer Ölplattform verhält, wie man auf Rauch und Brand reagiert oder Erste Hilfe leistet. Alle Prüfungen und Zertifizierungen liefen auf Englisch - eine weitere Herausforderung für die Männer, die von ihrer beruflichen Qualifikation her Ingenieure, technische Zeichner, Elektroingenieure, Maschinenschlosser bzw. -techniker sowie Elektrotechniker sind. Zum anderen - und dafür gingen die Männer an ihre körperlichen und mentalen Grenzen - trainierten sie das richtige Verhalten bei einem
Helikopter-Absturz im Meer. In voller Montur - also mit Schutzausrüstung und Helm, aber ohne Beatmungsgerät - stürzten die Männer, die in der originalgetreu nachgebauten Kabine festgegurtet waren, in ein Wasserbecken. Nachdem sich die Kabine abrupt um 180 Grad gedreht hatte und dabei zugleich voll Wasser lief, mussten die Probanden das Signal des Piloten abwarten, bis die Rotorblätter zum Stillstand gekommen sind. Erst dann durften sie die Fenster aufdrücken und an die Oberfläche
schwimmen. "Ich habe früher mal getaucht und konnte mich ganz gut unter Wasser orientieren", berichtet Marc Stemmermann, "doch einige Kollegen hatten mit Ängsten und Beklemmungen zu kämpfen; aber wir haben uns gegenseitig unterstützt." Bis es zum Training und den nun begonnenen Installationsarbeiten kam, verging nicht einmal ein Jahr - für Aufträge dieser Dimension ein extrem kurzer Zeitraum. "Wie immer bei solchen Großprojekten kommt es vor allem auf die Zeit und die Flexibilität an", weiß Geschäftsführer Dr. Konstantin Büscher, der das Unternehmen im Jahr 2007 im Zuge der Nachfolgeregelung von Herrn Franz Haane übernahm. Im Allseas-Geschäft hieß das, die Anlagen nicht in der üblichen Zeit von sechs Monaten zu konstruieren und zu produzieren, sondern innerhalb von nur sechs Wochen. "Da müssen nicht nur unsere Lieferanten mitziehen - wir kaufen die Elektrotechnik und Teile der Programmierung zu - sondern vor allem das eigene Team", sagt Büscher. Konkret hieß das für die zurückliegenden Sommermonate: Urlaubssperre, Überstunden, Wochenendarbeit. "Erst als mir mein gesamtes Team - von der Sekretärin über den Monteur bis zum Ingenieur - Rückendeckung gegeben hat, habe ich den Auftrag angenommen", erzählt der 41-Jährige rückblickend. Los ging es dann mit der Vorplanung und Vermessung, als die "Solitaire" im Rotterdamer Hafen an Dock lag. Während an dem Prototyp der Anlage in einer dortigen Schweißschule gearbeitet wurde, entstanden baugleiche Kopien für die weiteren sieben Linien in der Werkshalle des Unternehmens am Kotten Büsken in Weseke. In dieser Zeit liefen nicht nur die Motoren der Firmenfahrzeuge auf den Autobahnen zwischen Borken und Rotterdam heiß, sondern auch die Telefonleitungen: "Sowohl mit dem Schiffseigner Allseas als auch mit dem Endabnehmer, einem brasilianischen Erdölunternehmen, mussten ständig Abstimmungen, Veränderungen und Abnahmen erfolgen", berichtet Dr. Konstantin Büscher. Dem nicht genug, erforderte der Auftrag auf Übersee auch firmenintern Veränderungen: Die HAANE welding systems GmbH & Co. KG musste sich zertifizieren lassen: nach DIN ISO 9001 (Prozesse und Abläufe) sowie nach SCC (sicheres Arbeiten für die Bereiche Sicherheit, Gesundheit und Umweltschutz).
"Beide Audits haben wir Anfang Dezember bestanden - eine unerlässliche Bedingung, um mit der Arbeit an Bord zu beginnen", sagt Büscher. Stolz ist er darauf, dass HAANE das erste Unternehmen im Kreis Borken mit dieser Doppel-Zertifizierung ist. Noch bis Ende Januar werden Marc Stemmermann und seine 14 Kollegen an Bord der Solitaire sein, "dann geht es möglichst schnell nach Hause zur Familie". Zwar werde das Weihnachtsfest nicht mit Gänsebraten und Rotkohl nachgeholt, "aber ein paar freie Tage nehmen meine Frau und ich uns dann schon", freut sich der Schermbecker. "Und ein Highlight steht auch schon auf dem Programm: Im Sommer soll es mit den Motorrädern nach Spanien gehen." Das Angebot der Firmenleitung, die Familien nach Rio de Janeiro einfliegen zu lassen, um die Crew in Empfang zu nehmen, hat zwar keiner angenommen, aber das Programm nach der langen Trennungszeit steht für die
meisten anderen Männer fest: Urlaub. " Er ist selbst Familienvater und weiß, wie viel sein Team im vergangenen halben Jahr privat zurückgesteckt hat. Und neue Kraft schöpfen müssen die Mitarbeiter auf jeden Fall, denn ab Mai 2012 läuft Teil zwei des Auftrags: Auf dem weltgrößten Rohrverlegeschiff "Pieter Schelte", das Allseas gerade in Korea baut, müssen ebenfalls die HAANE-Schweißanlagen installiert werden. "Ich bin sehr stolz darauf, dass wir als kleines Unternehmen 'vom Lande' so viel Know-how zu bieten haben, dass wir im weltweiten Offshore-Geschäft bei den ganz großen Geschäften mitmischen dürfen", resümiert der junge Unternehmer Dr. Konstantin Büscher.


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